28.03. - 24.05.1998

Le regard sur le lieu. Arbeiten des Lehrstuhls Arduino Cantafora, EPF Lausanne

Es gehört zu den Konstanten der Aktivitäten des Architekturmuseums, Ausbildungssituationen im Bereich der Architektur in der Schweiz und im Ausland vorzustellen. Vor Jahren waren Gilles Barbey und Roger Diener mit ihrem Kurs «Fenetres habitees» (1989) von der EPF Lausanne zu Gast, dann folgte mit «Ort und Platz» (1991) Hans Holleins Unterricht an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien. Nachdem im letzten Jahr die Ingenieurschule beider Basel in Muttenz ihren Unterricht präsentierte, hatten wir nun einen weiteren Lehrstuhl der Ecole polytechnique federale in Lausanne eingeladen, Studentenarbeiten zu zeigen. Der italienische Architekt Arduino Cantafora unterrichtet dort seit sechs Jahren das Fach «expressions visuelles», was im weitesten Sinne Darstellungstechnik bedeutet. Cantafora lässt Studentinnen und Studenten mit traditionellen Werkzeugen wie Pinsel und Farbe Bilder malen. Die äusseren Bedingungen sind restriktiv und für alle gleich: Format 100 x 100 cm, der Bildträger eine Sperrholzplatte, grundiert, Griffel, Lineal, drei Pinsel und wenige Farben. Die ausgewählten Themen sind alltäglich: Schulhäuser, Plätze oder Wohnungsbau aus vertrauter Umgebung. Die Ausschnitte aus den Fassaden im Massstab 1 : 5 müssen so gewählt sein, dass aus dem Detail die ganze Situation zu erahnen ist.

Cantafora spart in seinem Unterricht aus, was heute selbstverständlich erscheint: die Arbeit am Computer. Warum dieses scheinbar altmodische Verhalten? Im Grunde zeigt sich da kein konservatives Beharren auf verlorenem Posten, sondern ein Versuch, die Augen der lernenden zu öffnen, ihre Sinne zu sensibilisieren für die Farbigkeit, die Materialität der Oberflächen, die Qualitäten des Lichts, den Charakter der Steine, des Putzes, des Holzes oder des Metalls. Darüber hinaus sind die handwerklichen Fähigkeiten gefragt, diese primären Eindrücke des Gebauten im Bild umzusetzen.

Die Arbeiten der lernenden wurden in langen Reihen vorgestellt. Es ging nicht um die mehr oder weniger grosse Perfektion der einzelnen Tafel, sondern um den Prozess des Schauens und des Umsetzens dieser Erfahrung in ein zweidimensionales Objekt. Um jeden künstlerischen Anspruch zu umgehen, wurden die Tafeln nicht signiert. Sie sind Schritte auf einem Weg der Umwandlung visueller Erfahrung, nicht selbstgenügsame Artefakte.  

 

Bildbeschreibung: Arduino Cantafora

Upcoming exhibitions

19.09.2026 - 03.01.2027

Tony Fretton: Practice

Opening: 18/9/2026, 7 PM

The S AM Swiss Architecture Museum is proud to announce PRACTICE, a retrospective exhibition of selected projects of architect Tony Fretton (b. 1945, London). He established Tony Fretton Architects in London in 1984, which ran until 2024. His published texts on architecture are numerous, and he has taught extensively, including as Chair of Interiors Buildings and Cities at the Faculty of Architecture at TU Delft, and as guest professor at GSD Harvard, ETH Zurich and EPFL Lausanne. He lives and works in London.

Fretton’s buildings and projects are presented at S AM through texts, photographs and drawings. Together, they show Fretton’s practice as continuity of reflection on the existing environment, including the social, cultural and political dimensions of the city and what lies outside it.