19.09.2026 - 03.01.2027

Tony Fretton: Practice

Vernissage: 18.9.2026, 19 Uhr

Das S AM Schweizerisches Architekturmuseum kündigt mit Freude die retrospektive Ausstellung PRACTICE mit ausgewählten Projekten des Architekten Tony Fretton (geb. 1945 in London) an. 1984 gründete er in London das Büro Tony Fretton Architects, das bis 2024 tätig war. Er hat zahlreiche Texte zur Architektur publiziert und unter anderem als Chair of Interiors Buildings and Cities an der Fakultät für Architektur der TU Delft und als Gastprofessor an der GSD Harvard, der ETH Zurich und der EPFL Lausanne Architektur gelehrt. Er lebt und arbeitet in London.

Frettons Bauten und Projekte werden im S AM in Texten, Fotografien und Zeichnungen präsentiert. Gemeinsam zeigen sie seine Praxis als stetige Reflexion über den Bestand im Umfeld auf, einschliesslich der sozialen, kulturellen und politischen Dimensionen der Stadt und ihrer Umgebung. In seinem Arbeitsansatz, den er 1998 in einem schlicht als ‹Eine Methode› betitelten Text beschrieb, visualisierte und thematisierte er sowohl die materiellen Aspekte von Gebäuden als auch die Formen ihrer Nutzung – und wie diese sich im Laufe der Zeit verändern würden, in physischer Hinsicht und in Narrationen über sie, die sich erst noch entwickeln würden.

Die Ausstellung im S AM wurde in enger Zusammenarbeit und im direkten Austausch mit Tony Fretton konzipiert und realisiert. Sie beginnt mit den Studien zu Performance-Kunst, den Fotografien und den Skizzenbüchern, die seine unverwechselbare architektonische Position etablierten, wie sie in den Bauten von 1986 und 1992 für die Lisson Gallery in London sichtbar wurde. Damals schrieb er: «Ich suchte nach Entwurfsansätzen, die überraschen und elementare Freuden bereiten, die politische Dimensionen besitzen, körperlich zu erfahren sind und die Mittel für eine künstlerische Auseinandersetzung und die Entwicklung von Ideen bereitstellen. Ich fand sie in Bestandsbauten: darin, wie soziale und politische Ideen auf sie wirkten, die Veränderung ihrer Bedeutung durch mündliche Überlieferung, Literatur und visuelle Medien sowie durch Änderungen, die Menschen sowohl physisch als auch in ihrer Vorstellung an ihnen vorgenommen hatten.»

Diese Sensibilität, die in The Red House (2001) weiter verfeinert wurde, bildete die Basis für Projekte in grösserem Massstab und, besonders bedeutsam, erwies sich als erfolgreich bei Gebäuden, die in anderen Ländern realisiert wurden und auf deren Kulturen reagierten – darunter das Rathaus im belgischen Deinze, die britische Botschaft in Warschau, das Fuglsang Kunstmuseum in Dänemark und der Wohnblock mit Blick auf den Rheinfall im schweizerischen Neuhausen.  

Frettons Schriften und Zeichnungen haben in der Ausstellung denselben Stellenwert. Das verdeutlicht ihre Rolle bei der Realisierung der Gebäude und als Mittel zu erkennen, dass das Gefüge der Bauten, die uns umgeben, kollektive Erinnerung und kollektives Wissen verkörpert. Im neuen Fotoessay, das die Ausstellung abschliesst, wendet Tony Fretton diese Ansätze erneut an: auf die Galerien des Schweizerischen Architekturmuseums selbst, auf das historische Gebäude der Kunsthalle, in der das Museum untergebracht ist, und auf das städtische Umfeld.

Eine bedeutende Monografie über Tony Frettons Arbeit wird unabhängig von der Ausstellung beim Quart Verlag veröffentlicht.




Tony Fretton
EINE METHODE (1988)
In Projekten, die später abgerissen wurden, oder die noch stärker unrealisiert blieben als Mute [1986, nicht realisiertes Projekt für die Zentrale von Mute Records in London], arbeitete ich folgende Methode aus:

  • Ersatz für Entwurf: Dinge, die bereits gut funktionieren, kopieren und modifizieren;
  • Ersatz für architektonische Ideen: Narrative der Nutzenden;
  • Ersatz für Gestaltung: Aufeinanderfolge und Veränderung;
  • Ersatz für die Gestaltung einer Oberfläche: dafür sorgen, dass Leben direkt davor stattfindet;
  • Ersatz für Ausstattung: wiederkehrende natürliche Ereignisse wie der Verlauf der Sonne;
  • Ersatz für Stabilität: sich auf den Überbleibseln ehemaliger Gewissheiten treiben lassen, auf einem Strom mit unbekanntem Ziel.
     
Fotos:
1. Fuglsang Kunstmuseum eingebettet in seine Umgebung, Lolland, DK, 2008, Foto: Peter Cook
2. Isometrische Darstellung der Lisson Gallery von vorne, London, UK, 1984, Bild bereitgestellt von Drawing Matter Collections (DMC 2885.9)
3. Skizze ‹I photographed it like a performance. EVERYTHING I SAW BECAME IMPORTANT›, London, UK, 1986, Bild bereitgestellt von Drawing Matter Collections (DMC 2895.14.4)
4. Aussenfassade des Red House im Dialog mit den Nachbargebäuden, London, UK, 2001, Foto: Peter Cook
5. Aussenansicht der beiden Westkaai-Wohntürme (mitte und rechts), Antwerpen, BE, 2016, Foto: Peter Cook

 

Kommende Ausstellungen

19.09.2026 - 03.01.2027

Tony Fretton: Practice

Vernissage: 18.9.2026, 19 Uhr

Das S AM Schweizerisches Architekturmuseum kündigt mit Freude die retrospektive Ausstellung PRACTICE mit ausgewählten Projekten des Architekten Tony Fretton (geb. 1945 in London) an. 1984 gründete er in London das Büro Tony Fretton Architects, das bis 2024 tätig war. Er hat zahlreiche Texte zur Architektur publiziert und unter anderem als Chair of Interiors Buildings and Cities an der Fakultät für Architektur der TU Delft und als Gastprofessor an der GSD Harvard, der ETH Zurich und der EPFL Lausanne Architektur gelehrt. Er lebt und arbeitet in London.

Frettons Bauten und Projekte werden im S AM in Texten, Fotografien und Zeichnungen präsentiert. Gemeinsam zeigen sie seine Praxis als stetige Reflexion über den Bestand im Umfeld auf, einschliesslich der sozialen, kulturellen und politischen Dimensionen der Stadt und ihrer Umgebung.